Wenn man in alten Medien stöbert...
Jedes Jahr ungefähr zur Mitte der Hinrunde, manchmal etwas früher, manchmal etwas später, überschlägt sich die Journaille ob der Tatsache, das das Spiel in der Bundesliga immer grober wird. Festzumachen sei dies an der Anzahl gelb/roter und glatt roter Karten. Immerhin 9 mal gelb/rot und 12 mal knallrot zeigten die Referees bis zum einschließlich 9. Spieltag dieser Saison.
Man ist inzwischen der Meinung, das man weltweit die Einführung einer Zeitstrafe als Zwischenstufe in Erwägung ziehen sollte, um die zunehmende Verrohung einzudämmen. Die, wie indirekter Freistoß im September bereits passend bemerkt, Wiedereinführung. Auch ich habe in meiner Jugend noch mit derlei Hinausstellungen, damals 2 bis 10 Minuten je nach Altersklasse leben müssen.
Wie sich die Zeiten gleichen...
Vor einigen Tagen fiel mir eine SPIEGEL-Ausgabe in die Finger, datiert vom 3.Oktober 1977. Eine Zeit, in der Hans Martin Schleyers Entführung Deutschland in Atem hielt, der SPIEGEL nur zumTeil in Farbe erschien, Günther Grass mit "Der Butt" die Belletristik-Charts anführte und die Bundesliga am 9.Spieltag ihrer 14.Saison angekommen war.
Und siehe da, einer der üblicherweise zwei Artikel aus dem Ressort des Sports beschäftigte sich mit der groben Härte in den Stadien. Rohes Spiel nannte man das damals.
Der Düsseldorfer Spieler Klaus Allofs, heute einigen wenigen bekannt als Sportdirektor Werder Bremen rüpelte: "Dieses Jahr fliegt einer schon raus, wenn er nur durchatmet."
Werner Lorant, Trainerflüchtling und Beinharter, hatte durch TV-Material seine Unschuld beweisen wollen, war aber in der Revision doch gesperrt worden.
Das Niveau, auf dem der damalige Schiedsrichter-Obmann Werner Treichel klagt, ist mit heutigen Maßstäben ein herrliches. "Letztes Jahr zu Weihnachten hatten wir erst einen Platzverweis. Jetzt sind es schon fünf." FÜNF Platzverweise.
Dies war schon Grund genug für die Oberen, über eine Sünderkartei nachzudenken, die meines Wissens nach aber nie gekommen ist. Man wollte für Hand- und Foulspiele Punkte vergeben und ab einer gewissen Punktzahl den Spieler sperren. Flensburger Verhältnisse sozusagen.
Der zweite Ansatz, war das beim Saarländischen Fußballverband erprobte Sperren auf Zeit. Dies setzte sich letztlich in den Länderverbänden durch und wurde in NRW (da weiß ichs sicher) bis zur Oberliga, was der dritthöchsten Spielklasse entsprach, eingesetzt.
Warum eine in meinen Augen sinnvolle Regelung nie bis in den Profifußball vorstieß, erschließt sich mir allerdings nicht, trotz gelb-roter Karte scheint die Idee ja langsam wieder Nährboden zu finden.
Die Begründung für die zunehmende Verrohung des Spieles Fußball ließt sich im Jahre 1977 übrigens so: "Die Bundesliga ist so ausgeglichen wie nie, jeder will Deutscher Meister werden." (O-Ton Treichel) Der SPIEGEL ist der Auffassung: "Die Schiedsrichter irren oft beim immer schneller und härter tobenden Bundesligakampf."
Dies hat sich auf die heutige Zeit nur bedingt übertragen. Der Bundesligakampf wird immer langsamer, die Schiedsrichter aber irren trotzdem oft...
(Quelle: DER SPIEGEL, 31.Jahrgang, Nr.41 vom 3.10.1977)
Man ist inzwischen der Meinung, das man weltweit die Einführung einer Zeitstrafe als Zwischenstufe in Erwägung ziehen sollte, um die zunehmende Verrohung einzudämmen. Die, wie indirekter Freistoß im September bereits passend bemerkt, Wiedereinführung. Auch ich habe in meiner Jugend noch mit derlei Hinausstellungen, damals 2 bis 10 Minuten je nach Altersklasse leben müssen.
Wie sich die Zeiten gleichen...
Vor einigen Tagen fiel mir eine SPIEGEL-Ausgabe in die Finger, datiert vom 3.Oktober 1977. Eine Zeit, in der Hans Martin Schleyers Entführung Deutschland in Atem hielt, der SPIEGEL nur zumTeil in Farbe erschien, Günther Grass mit "Der Butt" die Belletristik-Charts anführte und die Bundesliga am 9.Spieltag ihrer 14.Saison angekommen war.
Und siehe da, einer der üblicherweise zwei Artikel aus dem Ressort des Sports beschäftigte sich mit der groben Härte in den Stadien. Rohes Spiel nannte man das damals.
Der Düsseldorfer Spieler Klaus Allofs, heute einigen wenigen bekannt als Sportdirektor Werder Bremen rüpelte: "Dieses Jahr fliegt einer schon raus, wenn er nur durchatmet."
Werner Lorant, Trainerflüchtling und Beinharter, hatte durch TV-Material seine Unschuld beweisen wollen, war aber in der Revision doch gesperrt worden.
Das Niveau, auf dem der damalige Schiedsrichter-Obmann Werner Treichel klagt, ist mit heutigen Maßstäben ein herrliches. "Letztes Jahr zu Weihnachten hatten wir erst einen Platzverweis. Jetzt sind es schon fünf." FÜNF Platzverweise.
Dies war schon Grund genug für die Oberen, über eine Sünderkartei nachzudenken, die meines Wissens nach aber nie gekommen ist. Man wollte für Hand- und Foulspiele Punkte vergeben und ab einer gewissen Punktzahl den Spieler sperren. Flensburger Verhältnisse sozusagen.
Der zweite Ansatz, war das beim Saarländischen Fußballverband erprobte Sperren auf Zeit. Dies setzte sich letztlich in den Länderverbänden durch und wurde in NRW (da weiß ichs sicher) bis zur Oberliga, was der dritthöchsten Spielklasse entsprach, eingesetzt.
Warum eine in meinen Augen sinnvolle Regelung nie bis in den Profifußball vorstieß, erschließt sich mir allerdings nicht, trotz gelb-roter Karte scheint die Idee ja langsam wieder Nährboden zu finden.
Die Begründung für die zunehmende Verrohung des Spieles Fußball ließt sich im Jahre 1977 übrigens so: "Die Bundesliga ist so ausgeglichen wie nie, jeder will Deutscher Meister werden." (O-Ton Treichel) Der SPIEGEL ist der Auffassung: "Die Schiedsrichter irren oft beim immer schneller und härter tobenden Bundesligakampf."
Dies hat sich auf die heutige Zeit nur bedingt übertragen. Der Bundesligakampf wird immer langsamer, die Schiedsrichter aber irren trotzdem oft...
(Quelle: DER SPIEGEL, 31.Jahrgang, Nr.41 vom 3.10.1977)
kurtspaeter - 13. Dez, 14:52