Ich gebe zu, ich habe meinen Frieden mit dieser Mannschaft gemacht.
Dies nur an einem Derbysieg festzumachen ist zu einfach, ich mache es an der Spielweise und dem Engagement fest. Zwar spielt Werder Bremen definitiv den besseren Fußball, weil der Killerinstinkt über 90 Minuten vorhanden ist, aber diese Schalker Mannschaft hat das Zeug, den Bremern lange Parolie zu bieten und hey,
3.Spieltag, da war was. Warum also nicht mehr?
Lüdenscheid musste auf Christian Wörns verzichten, brachte dafür Brzenska, Metzelder erstmals wieder auf der Bank. Ein Fehler wie sich herausstellen sollte. Bei S04 Varela für Hamit Altintop, Rodriguez für den gesperrten Bordon war ja eh klar, ansonsten wie die letzten Wochen.
Die Mannschaft vom Borsig-Platz kam besser ins Spiel, die ersten zehn Minuten brauchte Schalke, aber dann. Ein Kopfball Kuranyis, den Tinga auf der Linie klärte war quasi Initialzündung. Der Startschuss für Pressing an allen Enden des Platzes. Jeder Lüdenscheider wurde von mindestens einem Schalker, oft von zweien attackiert sobald der Ball da war, die Abwehr schob sich fast auf Höhe der Mittellinie, die Stürmer arbeiteten engagiert mit, Fabian Ernst organisierte seine Mitstreiter. Die 35 Minuten bis zur Pause haben mir ausgezeichnet gefallen. Hier merkte man, das beim Gegner eine Person a la Rosicky fehlt. Einer, der den Ball mal halten kann, der auch mal eine eins-gegen-eins Situation zu den eigenen Gunsten löst und somit den Ball vom eigenen Tor weghält. Ich habe selten soviele Rückpässe zum Torwart, Ballverluste oder Fehlpässe bei Lüdenscheid gesehen wie in diesen starken 35 Schalker Minuten.
Dazu eine latente Hilflosigkeit Brzenskas, vorallem bei Standards war er Kevin Kuranyi nie gewachsen. Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, warum van Marwejik Metzelder draußen ließ. Angeblich weil er keine Spielpraxis hat, aber Brzenska kam in den letzten Wochen genauso wenig oder eher selten zum Zug. Ich habe nicht die kompletten Aufstellungen im Kopf, aber an ein Duo Amedick/Brzenska kann ich mich nicht entsinnen.
Habe ich eigentlich schonmal erwähnt, das ich sehr zufrieden mit der Rückkehr Christian Panders bin? Wahrscheinlich jede Woche, aber diese Standards sind einfach eine andere Qualität als vorher. Ob Weidenfeller den Freistoß halten muss? Schwierig, sah es doch nie so aus, als ob Kuranyi oder Brzenska an den Ball kommen könnten, aber aus Sicht des Torwarts kann das schon wieder ganz anders sein. Ich würde ihn freisprechen, dumm sieht er aus, aber zwingend halten muss er den nicht.
Es gibt
Meinungen, wonach vor dem 2:0 ein Foul an Brzenska gewesen sein soll. Hab ich nicht so gesehen, kann Brillenbedingt sein (beide Richtungen), Fakt ist für mich aber, das bei aller Schelte, die ich in Richtung Schiedsrichter während eines Spiels und manchmal auch danach loslasse, Wolfgang Stark ist mir im Moment der angenehmste. Dabei will ich gar nicht auf einzelne Spielsitutionen eingehen, er lässt ein Spiel einfach in seiner Gesamtheit laufen und das gefällt mir. Nicht jeder Faller wird abgepfiffen, nicht jeder Zweikampf unterbrochen. Zwar mag ich seine Feldherrenmimik nicht unbedingt, aber er überlässt den Spielern die Ausführung des Spiels und nimmt nicht dauernd Einfluss durch Unterbrechung.
Die zweite Hälfte sah dann ein Gesicht der Schalker, das den Unterschied gegenüber Bremen ausmacht. Mit dem 3:0 war die Partie faktisch entschieden, nur danach wurde nicht nachgelegt, sondern gleich zwei Gänge rausgenommen. Das ist irgendwie verständlich, aber doch schon schade. Denn mit ein wenig mehr Engagement, mit ein wenig mehr Ruhe beim Ausspielen sich bietender Kontermöglichkeiten wäre noch mehr dringewesen.
Ein Wort zur Übertragung, ich fand es zunächst angenehm, das der von Premiere gewohnte Derby-Heckmeck bei Arena in anzuschauenden Bahnen verlief. Keine übertriebene Anpreisung eines Mythos. Das Moderator Opdenhövel, übrigens völlig Fehl am Platze Fußballfernsehen, den eingeschlagenen Weg kurz verließ um sich via Bild-Zeitung dem Fahnenproblem zu widmen, sei ihm verziehen. In Anbetracht der Fehler, in Anbetracht der Sinnlosigkeit seines sonstigen Tuns, war diese Anekdote hinzunehmen.
Einzeloptionskommentator Werner Hansch war logisch. Revierderby kann nur der ehemalige Schalker Stadionsprecher machen. Ich fand ihn gestern nicht so schlimm wie sonst, ich hatte den Eindruck, als ob er sich zurücknimmt. Trotzdem, ich bin mit der WDR-Bundesligakonferenz großgeworden, Hansch oder auch Günter Koch gehören ins Radio. Ihre blumige Art passt einfach nicht zu einem Fußballspiel das ich gleichzeitig sehe.
Zu guter Letzt äußerten sich die Schalker Spieler Ernst und Pander, wenn ich Slomka richtig verstanden habe, war dies vorher so vereinbart worden. Der Versuch von Erich Laaser, die wiedergefundene Sprache der AKteure auf den schriftlichen Protest des Verbandes deutscher Sportjournaillisten, dem er vorsteht, zu schieben, war genauso wie der Protest. Lächerlich.