Das ist ganz schlecht

Es ist erstaunlich.
Wüsste ich nicht, das Jupp Heynckes vor Jahren bei Schalke entlassen worden wäre, hatte ich das Gefühl, die Mannschaft spielt seinen Fußball. Und dieses Gefühl habe ich nicht nur gestern gehabt.

Schalke 04 in der Zeit von Rangnick und Slomka wirkte weiter. Klar, es gab immer wieder Aussetzer wie das Europapokalaus in Nancy oder das Gegurke von Lüdenscheid. Das Verspielen des Titels hat man zwar unter beiden Trainern geschafft, aber man konnte ein System erkennen.

Eine sicher stehende Abwehr, harte Zweikampfführung, ein Wechsel zwischen Pressing und den Gegner kommen lassen, insgesamt eine sehr gute defensive Organisation. Dafür verantwortlich Kapitän Marcelo Bordon und Fabian Ernst.
Nach Ballgewinn wurde schnell und steil nach vorne gespielt, über zwei schnelle Aussenspieler, mit einem Mittelfeld, das den Sinn der schnellen Ballweiterleitung einsah und einhielt. Kleine Ausnahme Lincoln. Dieser hatte seine "Stärke" dafür im Positionsspiel. Der unerwartete Pass in die Spitze kam von Lincoln.

Heute präsentiert sich die Abwehr ohne Sicherheit.
Neuers Patzer sind geschenkt, aber Bordon wackelt seit einigen Wochen bedenklich und fällt eher durch ganz ganz schwachen Spielaufbau (in Chelsea hat er mehrmals Abramovich anspielen wollen, sonst immer wieder lange Bälle ins Nichts) sowie hirnlose Aggressivität abseits des rollenden Balles auf. Völliger Blödsinn seine (5.) Gelbe Karte gestern.
Warum man nach einem Foulspiel einen 50 Meter Sprint hinlegt um dem gegnerischen Spieler seine Hand ins Gesicht zu befördern geht mir nicht in die Birne. Bordon, mein Freund Rodriguez und Krstaljic sind Meister dieses Schwachsinns, was mir seit Jahren Tobsuchtsanfälle beschert.

Warum man in der Innenverteidigung mit zwei Linksfüßen spielt, dafür den in den letzten Wochen soliden Westermann statt Krstaljic auf die linke Aussenbahn stellt, ist wiederum eine Frage, die mir Mirko Slomka kaum schlüssig begründen kann. Wenigstens war Westermann gestern erstmals richtig schlecht. Über Rafinha rechts habe ich mich bereits ausgelassen, gestern das gleiche Bild wie sonst. Aus dem Stand kann man keinen Fußball spielen.

Die beiden defensiven im Mittelfeld klammere ich aus. Jones und Ernst rackern wie die Weltmeister. Nach vorne ist Jones inzwischen der einzige mit Dynamik ausgestattete und diese auch nutzende Spieler Schalkes. Und Ernst spielt seine beste Saison seit dem Wechsel aus Bremen.

Womit hat sich Carlos Großmüller das fünfte Spiel in Folge in der Anfangsformation verdient? Ich versuche immer noch herauszufinden, warum man diesen Mann für viel Geld verpflichtet hat. Erst durfte er gar nicht ran, inzwischen stört er nachhaltig jeden Versuch des organisierten Schalke Fußballspiels. Lincoln war ein Flipper gegenüber Großmüller. Ball halten, stehend spielen. Kein vernünftiges Anspiel in die Spitze, immer wieder Fehlpässe, viel zu viel Raum zwischen ihm und den Stürmern. Das ist ganz einfach viel zu wenig.

Lövenkrands und Asamoah dürfen keine Pause bekommen, sie müssen eine Pause bekommen. Von mir aus eine lange.
Der Däne hat in dieser Saison nicht einen vernünftigen Pass, nicht einen wichtigen, gewonnenen Zweikampf, nicht ein Tempodribbling mit Zug zum Tor vorzuweisen. Freigespielt wurde er gestern genau zweimal, sein Abschluß war kläglich wie seine Saison.
Hier muss der Daumen ganz weit nach unten zeigen.
Asamoah stand ihm gestern in nichts nach. Technische Unzulänglichkeiten, schon immer sein Problem, taten wieder gehäuft zutage und das Schlimmste ist, gestern kämpfte Asamoah nicht einmal. Das kennt man nicht.

Man muss den Schalker Verantwortlichen die Frage stellen, hat man für das angestrebte System die richtigen Spieler? Und hat man auch die richtigen geholt?
Ich sehe keinen Spieler für die Rechtsaussenposition. Asamoah ist, mangels adäquaten Spielverständnis, kein Rechtsaußen. Varela ist von den letzten vier dreieinhalb Jahre verletzt ausgefallen. Sich auf ihn verlassen ist fahrlässig. Will man mit zwei Spitzen spielen, ist außer Altintop (auch verletzt) niemand so richtig da. Und der hat in seinem ersten Schalker Jahr eher Lampen ausgeschossen. Larsen hat ein Jahr nicht gespielt (siehe auch Varela), Lövenkrands ist links besser, Asamoah ist nicht torgefährlich.

Außerdem fehlt in beiden Systemen das Vertrauen bzw die Qualität in den Spieler im offensiven Mittelfeld. Ob Rakitic, Großmüller, Azouagh oder Özil. Richtig überzeugt hat keiner.

Auch muss man inzwischen sagen, so gut Christian Pander ist, so nett es von Schalke war, auf ihn zu warten. Man braucht einen linken Verteidiger, der mehr als 50% der Spiele in einer Saison bestreiten kann. Kobiashvili wollen weder die Verantwortlichen noch der Spieler selbst auf der Seite sehen. Also muss Ersatz her. Dringend. Schon in der Winterpause. Boenisch hat man ja clevererweise verkauft...

Für das Spiel gegen Chelsea, noch wichtiger aber gegen Hamburg erwarte ich eine andere Mannschaft. Mit anderem Personal.
Özil auf links ist zwingend, Rakitic für Großmüller ebenso. Krstaljic geht auf die linke Verteidigerposition (wenn Pander weiter ausfällt), Westermann ins Zentrum. Dies würde ich auch gegen den HSV beibehalten und Höwedes dann neben Westermann stellen weil Bordon nicht spielen darf. Vorne Kuranyi und Halil Altintop. Also zwei Spitzen.
Und dann bitte Steil- statt Querpässe, zwei Ballkontakte maximal im Aufbau. Özil von der Leine lassen, sprich ihm ruhig das risikoreiche Tempodribbling zugestehen. Mal die eins gegen eines Situation suchen. Auch wenn es einmal nicht klappt.

Zu guter Letzt. Der hier zweimal geforderte Jose Mourinho steht außerhalb jeder Diskussion. Das wäre Größenwahn.
Aber man muss eingestehen, daß Mirko Slomka langsam aber sicher anfangen muss Spiele zu gewinnen. Dies meine ich, weil die Tendenz der letzten Wochen und die Art und Weise in Cottbus ganz erschreckend war. Nach dem Spiel kündigte er eine härtere Linie an. Ich hoffe, er wird die richtigen Schlüsse ziehen.

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Sichtweisen eines Schalkers

Auch unsere Mannschaft wird einmal vor 90.000 Zuschauern spielen. (Willi Gies, Gelsenkirchen im Jahre 1904)

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